Der Judo-Wettkampf

Judo ist eine Zweikampf-Sportart. Ziel ist es, den Gegner durch Anwenden einer Technik mit Kraft und Schnelligkeit kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Gelingt dies, so ist der Kampf gewonnen. Dabei ist es meist unerheblich wie geworfen wurde und welche Technik verwendet wurde, solange der Werfende den Geworfenen dabei deutlich kontrolliert und keinen Regelverstoß begeht. Tatsächlich haben auch einige Techniken anderer Kampfsportarten im Wettkampfjudo ihren Einzug gehalten. Als grober Anhaltspunkt: Je kontrollierter der Gegner auf den Rücken fällt, umso höhere Wertungen erhält man. Ein Unentschieden (Hiki-wake) wird nur bei Freundschafts- oder in Mannschaftskämpfen nach Ende der regulären Kampfzeit ausgesprochen.
 
Der Kampf findet jedoch nicht ausschließlich im Stand statt, sondern geht auch am Boden weiter. Wie bei den Würfen werden auch hier Wertungen für eventuell kürzere Haltezeiten vergeben. Als Alternative besteht die Möglichkeit, den Gegner durch einen Armhebel oder Würgegriff zur Aufgabe zu zwingen. Sobald einer der Kontrahenten jedoch in den Stand zurückkehrt, muss der Kampf unterbrochen und im Stand neu begonnen werden.


Die Judo Wettkampf-Grundregeln
 
Judo-Wettkämpfe und Kampffläche
Gekämpft wird auf mittelharten Matten, welche einen stabilen und sicheren Stand ermöglichen und dennoch das Fallen entsprechend abmildern. Die Wettkampffläche unterteilt sich in eine Kampf- und in eine Sicherheitsfläche. Der Kampf findet auf der Kampffläche statt. Die Größe dieser Fläche variiert je nach Alterklasse und Bedeutung der Wettkämpfe. Im Erwachsenenbereich soll die Kampffläche ab regionalen Meisterschaften mindestens 7x7 Meter, höchstens aber 10x10 Meter groß sein. Für internationale Meisterschaften wie die Olympischen Spiele ist eine Größe von 8x8 Metern vorgeschrieben. Die Sicherheitsfläche bildet den äußeren Abschluss und soll Verletzungen vermeiden, falls die Kontrahenten unbeabsichtigt außerhalb der Kampffläche geraten sollten. Diese äußere Begrenzung sollte eine Größe von zwei bis drei Metern haben. Beide Flächen müssen eine unterschiedliche Färbung aufweisen.
 
Ein Wettkampf
... dauert bei erwachsenen Männern effektiv fünf Minuten, bei den Frauen vier; im Jugendbereich wird die Kampfzeit auf zwei bis vier Minuten verkürzt. Ist der Kampf unterbrochen, wird die Uhr angehalten. Während des Kampfes ist das Sprechen strikt untersagt und die Kämpfer dürfen die Wettkampffläche (ohne Kampfeinwirkung) nicht verlassen.
 
Die Kämpfer
... tragen einen Judogi passender Größe (Frauen und Mädchen darunter ein weißes Shirt) und einen ihrem Grad entsprechenden Gürtel. Zur Unterscheidung trägt Einer einen weißen und der Andere einen blauen Judogi. Bei regionalen Turnieren wird auf den blauen Judogi verzichtet. In diesem Fall tragen die Kämpfer einheitliche weiße Judogi und zur Unterscheidung einen zusätzlichen weißen bzw. roten Gürtel. Den weißen Zusatzgürtel erhält der Kämpfer der zuerst genannt wurde. Den roten erhält der zweite aufgerufene Kämpfer.
 
 
Kampfrichter
 
Ein Kampfrichter und zwei Außenrichter
... sorgen für einen gerechten Kampf. Der Kampfrichter hält sich innerhalb der Kampffläche auf und bewertet die Handlungen während des Kampfes. Die Außenrichter sitzen auf Stühlen außerhalb der Kampffläche. Sollte der Kampfrichter ihrer Beobachtung nach etwas übersehen haben oder nicht hat sehen können, ist es ihre Aufgabe, ihm dies mitzuteilen. In der Regel geschieht das per Handzeichen; der Kampf kann aber auch unterbrochen werden, damit sich der Kampfrichter und die Außenrichter beraten können. Gegebenenfalls wird danach eine Wertung zurückgenommen bzw. geändert.
 
Kampfrichter-Kommandos
... werden immer in Japanisch gegeben. Die häufigsten Kommandos
sind:

  • Hajime "kämpft", Kampfbeginn
  • Matte "wartet!" Kampfunterbrechung, nach der die Kämpfer in Standardposition zurückkehren und den Kampf von dort wieder aufnehmen.
  • Osae-komi "Griff gilt" Beginn einer Festhalte-Aktion
  • Toketa "gelöst" Ende eine Festhalte-Aktion
  • Sono-mama "so bleiben", Kampfunterbrechung, bei der die Kämpfer ihre Position beibehalten müssen, bis der Kampfrichter ruft: Yoshi "weitermachen"
  • Sore-made! "Das ist alles!" Kampfende.

Wertungen
... werden vom Kampfrichter sofort nach einer erfolgreichen Aktion ausgerufen und sind nach Wertigkeit gestaffelt:
Wertungen werden nur gewertet, wenn während der Ausführung einer Technik die Kampffläche nicht überschritten wurde. Der Technikansatz muss innerhalb der Kampffläche begonnen worden sein.

Ippon Waza-Ari Yuko

 
Ippon - die höchste Wertung wird vergeben wenn:

  • ein Kämpfer seinen Gegner aus dem Stand mit Kontrolle, Kraft und Schnelligkeit auf den größten Teil seines Rückens wirft.
  • der Gegner 20 Sekunden in einer Festhaltetechnik gehalten wird.
  • ein Kämpfer zur Aufgabe durch Hebel- oder Würgetechnik gezwungen wird. In diesem Fall klopft er drei Mal, am Gegner oder auf der Matte ab.
  • der Gegner bei Hebeltechniken einen Schmerzensschrei wie „Aua“, ausruft
  • zwei Mal die Wertung Waza-ari erreicht wurde

Waza-Ari - die zweithöchste Wertung wird vergeben wenn:

  • eine Wurftechnik, die eines der drei Kriterien für einen Ippon nur zum Teil erfüllt. Z.B. Wenn der Rücken des Gegners nur teilweise die Matte berührt.
  • der Gegner 15-19 Sekunden in einer Festhaltetechnik gehalten wird.

Yuko - dritthöchste Wertung wird vergeben wenn:

  • eine Wuftechnik, die zwei der drei Kriterien für einen Ippon nur zum Teil erfüllt. Z.B. Wenn der Gegner auf die lange Seite geworfen wird, ohne dass der Rücken den Boden berührt.
  • der Gegner 10-14 Sekunden in einer Festhaltetechnik gehalten wird.

Verbotene Handlungen
Beim Verstoß gegen die Wettkampfregeln erhält der Kämpfer eine Verwarnung. (Shido) Bei schweren Verstößen wird er disqualifiziert (Hansokumake).
Die Verwarnungen spielen dann eine Rolle, wenn bei den Wertungen Gleichstand herrscht. Haben zum Beispiel beide Kämpfer einen Yuko erzielt, gewinnt derjenige, der weniger Strafen kassiert hat. Bei mehr als drei Verstößen wird ein Hansokumake ausgesprochen und der Kampf zugunsten des anderen Kontrahenten beendet. Für besonders schwere Regelverstöße kann der Hansokumake auch direkt vergeben werden. Die direkte Disqualifikation von einem Kampf wegen Unsportlichkeit, bedeutet gleichzeitig die Disqualifikation vom gesamten Turnier.
 
Kleine Regelverstöße
Der Judoverband ist darum bemüht, den Judowettkampf vor allem für das Fernsehen und damit auch für Zuschauer im Allgemeinen interessanter zu gestalten. Im oberen Leistungsbereich sind die Unterschiede in Sachen Kraft, Schnelligkeit und Technik meist sehr gering, so dass sich ohne eine gewisse Aufforderung zum offensiven Kämpfen eine Entscheidung sehr lange hinziehen kann. Aus diesem Grund wurden eine Reihe von Regeln erlassen, die die Kämpfer zu Angriffen drängen und ihnen gleichzeitig eine stetige defensive Körperhaltung verwehren.
Eine erste Möglichkeit wäre zum Beispiel, den Partner auf Distanz zu halten, indem man den eigenen und vor allem den Griff des Gegners vermeidet. So kann man zwar selbst nicht angreifen, aber der Gegner eben so wenig. Meistens wird man jedoch den eigenen Griff so wählen, dass der Gegner kaum eine Möglichkeit hat, seinen Angriff umzusetzen. Werden zum Beispiel beide Ärmelenden festgehalten, so lässt sich damit der Griff des Kontrahenten vermeiden. Dies ist natürlich, wie die meisten Aktionen in dieser Gruppe, zuerst einmal erlaubt, aber nur, wenn man dann auch unmittelbar einen Angriff beginnt. Dies hängt aber auch von der Situation und Einschätzung der Kampfrichter ab und kann variieren. Es gibt noch eine Reihe anderer Verstöße zu erwähnen, z.B. das Verhaken der Finger, eine andere Fassart als die normale zu wählen, und als allumfassende Regel, eine generell defensive Haltung einzunehmen. Scheinangriffe, die allein dem Zweck dienen, Aktivität vorzutäuschen, werden dabei ebenso bestraft wie das deutliche Vermeiden von Angriffen.
Das Verlassen der Matte wird ebenso geahndet wie das absichtliche Herausdrängen des Gegners.
Auch das Zurückbiegen der Finger oder das Treten gegen die Hand des Gegners, um dessen Griff zu lösen, ist nicht gestattet. Der Griff in das Ärmelende oder gar in das Ende des Hosenbeins des Gegners ist ebenso wenig erlaubt wie das direkte Greifen in den Innenteil des Judogi. Auch dürfen Teile der Kleidung nicht in den Mund genommen werden. Das Umschlingen seiner Extremitäten mit dem Gürtel oder dem Jackenende ist nicht gestattet.
 
Schwere Regelverstöße
Ein schwerer Regelverstoß liegt dann vor, wenn ein Kämpfer die Gesundheit seines Gegners bzw. sich selbst gefährdet oder sich grob unsportlich verhält. So gibt es eine Reihe von Techniken, deren Anwendung immer wieder für Verletzungen sorgten und demnach verboten wurden. Beispiele für verbotene Techniken sind der Kawazu-Gake, das verhebelte Werfen, jegliche Form des Hebelns an einem anderen Gelenk als am Ellenbogen sowie das Eintauchen in die Matte (Hierbei versucht ein Kämpfer, seine Technik dadurch zu unterstützen, indem er sich gerade, stark nach vorne unten abbeugt und sich eventuell dabei selbst gefährdet). Außerdem ist es verboten, eine Beinschere an Kopf, Hals oder Rumpf mit gestreckten Beinen anzusetzen.

Als grob unsportlich gelten etwa das Beschimpfen des Gegners oder eines Kampfrichters.

Außerdem wird das Greifen oder Blockieren der Beine des Gegners zum defensiven wie zum offensiven Zweck ab der u17 mit Hansokumake geahndet. Bei den jüngeren gibt es fortlaufend Shido.
 
Hinweis
Die Judo-Wettkampfregeln bzw. deren Auslegung ändern sich in der Regel nach jedem Olympiazyklus. Wir informieren euch selbstverständlich über jede Änderung.